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ZEHN THESEN ÜBER DIE NATUR

Am Ende seines Buches "Von Bienen und Leitwölfen" stellt Autor Dr. Matthias Nöllke zehn Thesen auf, die seine zahlreichen anregenden Impulse rund um Natur und Business zusammenfassen:
 
1. Die Natur kennt keinen Perfektonismus. Alle Organismen sind mehr oder minder gelungene Kompromisse, austariert zwischen widerstreitenden Anforderungen wie etwa Schelligkeit und Stärke.
 
2. Die Natur setzt auf Vielfalt und wehrt sich gegen Standardisierung. Kein Organismus gleicht vollkommen dem anderen. Auf diese Weise können die unterschiedlichsten Eigenschaften und Fähigkeiten bewahrt werden.
 
3. Es gibt nicht die eine "Strategie der Sieger". Vielmehr exisitert eine ungeheure Fülle an Möglichkeiten zurechtzukommen. Jeder Organismus ist gefordert, seine eigenen Überlebensstrategie zu entwickeln - angepasst an seine Möglichkeiten und seinen Lebensraum.
 
4. Substanzielle Weiterentwicklung gibt es nur in Verbindung mit unzähligen Fehlschlägen. Daher können nur Systeme immer wieder Neues hervorbringen, die es zulassen, dass die meisten Versuche scheitern.
 
5. Es gibt kein naturgegebenen "Recht des Stärkeren". Raubtiere sind nicht die erfolgreichere Lebensform im Vergleich zu ihren Beutetieren. Nicht zufällig gibt es mehr Singvögel als Raubvögel.
 
6. In der Natur herrscht nicht nur das Prinzip der Konkurrenz, sondern ebenso das Prinnzip der Kooperation. Sehr erfolgreiche Lebensformen wie die sozialen Insekten sind gerade dadurch konkurrenzfähig, dass sie hervorragen kooperieren.
 
7. In Phasen des Wandels sind die Generalisten im Vorteil, die über ein breites Spektrum von Fähigkeiten verfügen und sich schnell adaptieren können. Von stabilen Lebensverhältnissen profitieren die Spezialisten. 
 
8. In der Natur gibt es keine zentrale Macht- und Kontrollinstanz. Jeder Versuch, natürliche Systeme von dieser Position aus zu steuern, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Organismen reagieren nach ihren eigenen Regeln und kümmern sich nicht um die guten Absichten desjenigen, der sie beeinflussen will.
 
9. In der Natur verkehrt sich eine Entwicklung oftmals in ihr Gegenteil. Allzu erfolgreiche "Betrüger" richten sich langfristig ebenso zugrunde wie allzu erfolgreiche Jäger oder allzu "rücksichtslose" Parasiten. Auf der anderen Seite braucht ein Organismus Krisen, Belastungen, Rückschläge, um immer wieder neu zu erstarken.
 
10. In der Natur kommt es letztlich nicht darauf an, maximale "Rendite" zu erwirtschaften, über möglichst viele Ressourcen zu verfügen, Konkurrenten auszuschalten oder für die maximale Verbreitung der eigenen Lebensform zu sorgen. Der einzige Wert, auf den es ankommt, das ist ganz schlicht gesagt das Leben. Hier und Jetzt.
 
   
(Quelle: Matthias Nöllke, "Von Bienen und Leitwölfen. Strategien der Natur im Business nutzen", Haufe Verlag 2008)


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